Inhalt (13 Abschnitte)
- Private Krankenversicherung für Selbstständige: Wer darf wechseln?
- Was kostet die PKV für Selbstständige? Beiträge nach Alter
- PKV oder GKV: Ab welchem Gewinn ist privat günstiger?
- Drei Beispielrechnungen: Für wen sich die PKV rechnet
- Die Vorteile der privaten Krankenversicherung für Selbstständige
- Krankentagegeld: der Baustein, den Selbstständige brauchen
- Familie: Kinder und Partner in der PKV
- Selbstbehalt, Beitragsrückerstattung und Steuer
- PKV für Selbstständige im Alter: was Sie wissen sollten
- PKV für Selbstständige nach Beruf und Lebenslage
- Fünf Irrtümer über die PKV für Selbstständige
- Prüfpunkte vor dem Wechsel – und wie Sie sie lösen
- So läuft der Wechsel in die private Krankenversicherung ab
- Hauptberuflich Selbstständige können unabhängig vom Einkommen in die private Krankenversicherung wechseln; eine Versicherungspflichtgrenze wie bei Angestellten gilt für sie nicht.
- Veröffentlichte Musterbeiträge ergeben für 35-Jährige rund 407 bis 764 € im Monat inklusive Pflegepflicht (Einstieg bis Premium, Stand 18.10.2026); Stiftung Warentest nannte 649 bis 1.137 € für empfehlenswerte Tarife.
- In der GKV zahlen Selbstständige 2027 im Szenario rund 22 % des Gewinns, bis 1.402,50 € im Monat (kinderlos, mit Krankengeld) – allein, ohne Arbeitgeberanteil.
- Für 35-Jährige mit Komfort-Tarif und gleichwertigem Krankentagegeld ist die PKV im Beispiel ab rund 2.900 € Monatsgewinn günstiger; bei 5.000 € um rund 417 € im Monat.
- Vor dem Wechsel klären Sie Gesundheitsprüfung (anonyme Risikovoranfrage), Familie, Krankentagegeld und den Beitrag im Alter – der Weg zurück in die GKV ist ab 55 meist versperrt.
Die private Krankenversicherung steht Selbstständigen unabhängig vom Einkommen offen und kostet laut veröffentlichten Musterbeiträgen für 35-Jährige rund 407 bis 764 € im Monat inklusive Pflegepflicht (Stand 18.10.2026). Weil die Kasse 2027 im Szenario rund 22 % des Gewinns verlangt, ist die PKV im Beispiel (35 Jahre, Komfort, gleichwertiges Krankentagegeld) ab rund 2.900 € Monatsgewinn günstiger – darunter meist die GKV.
Private Krankenversicherung für Selbstständige: Wer darf wechseln?
Angestellte kommen erst über der Versicherungspflichtgrenze in die PKV (2026: 77.400 € im Jahr). Für hauptberuflich Selbstständige gilt diese Grenze nicht: Sie sind nicht versicherungspflichtig und wählen frei zwischen freiwilliger gesetzlicher und privater Krankenversicherung (§ 5 Abs. 5 SGB V). Das gilt für Freiberufler, Gewerbetreibende, Handwerksmeister und Gesellschafter-Geschäftsführer mit Mehrheitsbeteiligung gleichermaßen – Letztere nur, wenn sie nicht abhängig beschäftigt sind; das entscheidet verbindlich die Deutsche Rentenversicherung.
Ausnahmen gibt es wenige. Künstler und Publizisten sind über die Künstlersozialkasse pflichtversichert und können sich nur unter Bedingungen befreien. Nebenberuflich Selbstständige bleiben über ihren Job versichert, solange die Anstellung überwiegt. Wer gerade gründet, achtet auf eine besondere Frist: Endet die Pflicht- oder Familienversicherung, läuft die GKV automatisch freiwillig weiter, und der Austritt in die PKV ist binnen zwei Wochen nach dem Hinweis der Kasse möglich (§ 188 Abs. 4 SGB V).
Rund 1,5 Millionen Selbstständigesind freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (BMG, Statistik KM1, 01.08.2026). Viele von ihnen zahlen dort den vollen Beitrag allein – auf Gewinn, Miete und Kapitalerträge.
Was kostet die PKV für Selbstständige? Beiträge nach Alter
Der PKV-Beitrag hängt nicht vom Einkommen ab, sondern von vier Dingen: Eintrittsalter, Leistungsumfang, Selbstbehalt und Gesundheitszustand bei Vertragsbeginn. Die folgende Tabelle zeigt Orientierungswerte aus veröffentlichten Musterbeiträgen der Versicherer – für gesunde Neukunden, ohne Risikozuschlag, inklusive Pflegepflichtversicherung und gesetzlichem 10-%-Zuschlag, mit mittlerem Selbstbehalt von etwa 1.000 bis 1.500 € im Jahr.
| Eintrittsalter | Einstieg | Komfort | Premium |
|---|---|---|---|
| 25 Jahre | 331 € | 483 € | 624 € |
| 30 Jahre | 367 € | 535 € | 690 € |
| 35 Jahre | 407 € | 593 € | 764 € |
| 40 Jahre | 455 € | 662 € | 852 € |
| 45 Jahre | 510 € | 739 € | 950 € |
| 50 Jahre* | 581 € | 844 € | 1.086 € |
Zum Vergleich: Stiftung Warentest ermittelte für 35-Jährige 649 bis 1.137 € im Monat bei Tarifen, die mindestens das Niveau der gesetzlichen Kassen erreichen – nur 384 von 1.245 Tarifkombinationen erfüllten die Kriterien (Finanztest 3/2025). Günstig ist also nicht automatisch gut: Ein Einstiegstarif kann Leistungen begrenzen, etwa bei Psychotherapie, Hilfsmitteln oder Zahnersatz. Was einzelne Altersstufen kosten, vertieft die PKV-Kostentabelle bei PKV-Preisindex.de.
Zum Beitrag kommen je nach Bedarf das Krankentagegeld (siehe unten) und für jedes Kind ein eigener Beitrag – veröffentlichte Kinderbeiträge liegen zwischen 161,50 und 276,79 € im Monat, unser Rechenwert ist 211,84 €.
PKV oder GKV: Ab welchem Gewinn ist privat günstiger?
In der freiwilligen GKV zahlen Selbstständige 14,6 % (mit Krankengeld) plus Zusatzbeitrag und Pflege auf ihren Gewinn – 2026 rund 21,7 %, 2027 im Szenario rund 22,0 % (kinderlos). Mindestens gilt eine Bemessung von 1.318,33 €, höchstens die Beitragsbemessungsgrenze von 5.812,50 € (2027 laut Kabinettsbeschluss 6.375 €, Bundesrat ausstehend). Die Tabelle vergleicht das mit einem Komfort-Tarif für 35-Jährige, der ein Krankentagegeld in Höhe des GKV-Krankengelds enthält.
| Monatsgewinn | GKV 2026 | GKV 2027 (Szenario) | PKV-Beispiel | Unterschied 2027 |
|---|---|---|---|---|
| 2.000 € | 434 € | 440 € | 628 € | GKV 188 € günstiger |
| 3.000 € | 651 € | 660 € | 648 € | etwa gleich |
| 4.000 € | 868 € | 880 € | 663 € | PKV 217 € günstiger |
| 5.000 € | 1.085 € | 1.100 € | 683 € | PKV 417 € günstiger |
| ab 6.375 € | 1.261 € | 1.403 € | 706 € | PKV 696 € günstiger |
Kasse wächst mit dem Gewinn – ein PKV-Beitrag nicht
Kranken- und Pflegeversicherung pro Monat, mit Krankengeld, kinderlos, Zusatzbeitrag 2,9 %; PKV-Beispiel: 35 Jahre, Komfort, mit gleichwertigem Krankentagegeld
Eigene Berechnung nach § 240 SGB V: Mindestbemessung 1.318,33 € bzw. 1.376,67 € (2027), Beitragsbemessungsgrenze 5.812,50 € bzw. 6.375 € (2027 laut Kabinettsbeschluss vom 07.10.2026, Bundesrat ausstehend); 14,6 % + 2,9 % + Pflege 4,2 % bzw. 4,5 % (Entwurf). PKV-Beispiel: Komfort-Orientierungswert 593 € (Eintrittsalter 35, inkl. Pflegepflicht, Musterbeiträge der Versicherer, Stand 18.10.2026) plus Krankentagegeld in Höhe des GKV-Krankengelds ab dem 43. Tag; Beispielrechnung, kein Angebot.
Die Schwelle verschiebt sich mit dem Alter: Mit 25 Jahren liegt sie im Komfort-Beispiel bei rund 2.330 € Monatsgewinn, mit 45 bei rund 3.790 €. Ihre persönliche Schwelle – auch für Einstieg und Premium, mit Kindern und Partner – berechnet der Rechner Ab welchem Gewinn lohnt sich die PKV?. Eine Gegenüberstellung aus Sicht der GKV-Versicherten bietet der ehrliche Vergleich GKV oder PKV für Selbstständige bei Höchstbeitrag.de.
Drei Beispielrechnungen: Für wen sich die PKV rechnet
Die folgenden Profile sind Beispielrechnungen mit unseren Orientierungswerten (GKV 2027 im Szenario, mit Krankengeld; PKV mit Krankentagegeld in Höhe des GKV-Krankengelds, gesund, Stand Oktober 2026) – keine Angebote und keine echten Kundenfälle.
Designerin, 29 Jahre, 3.500 € Gewinn
GKV 2027: 770 € im Monat. PKV-Komfort: rund 576 €. Unterschied: rund 194 € im Monat zugunsten der PKV. Ihre Schwelle liegt bei rund 2.550 € – sie liegt deutlich darüber.
Handwerksmeister, 41 Jahre, 5.500 € Gewinn, ein Kind
GKV 2027: 1.160,50 € (Kind beitragsfrei). PKV-Komfort mit Kinderbeitrag: rund 1.011 €. Unterschied: rund 149 € im Monat. Mit Kind steigt seine Schwelle auf rund 4.710 €.
Berater, 48 Jahre, 8.000 € Gewinn, Partnerin ohne Einkommen
GKV 2027: 1.402,50 € (Höchstbeitrag, Partnerin familienversichert). PKV-Komfort für beide: rund 1.789 €. Hier ist die GKV im Beispiel rund 387 € günstiger – ein Experte prüft Alternativen, etwa einen schlankeren Tarif.
Die Beispiele zeigen das Muster: Je jünger und je höher der Gewinn, desto deutlicher der Vorteil der PKV. Je mehr Angehörige mitversichert werden müssen, desto später rechnet sie sich. Ihre eigene Rechnung mit Diagramm liefert der Gewinn-Check.
Die Vorteile der privaten Krankenversicherung für Selbstständige
Beitrag unabhängig vom Gewinn
Ein gutes Jahr, eine Mieteinnahme oder Zinsen erhöhen Ihren Beitrag nicht. In der GKV zahlen freiwillig Versicherte auf alle Einnahmen zum Lebensunterhalt (§ 240 SGB V).
Keine Nachzahlung nach dem Steuerbescheid
Die Kasse setzt Ihren Beitrag rückwirkend nach dem Steuerbescheid fest (§ 240 Abs. 4a SGB V). In der PKV steht Ihr Beitrag im Vertrag. Wie hoch eine Nachforderung ausfallen kann, zeigt der Nachzahlungs-Rechner.
Leistungen vertraglich zugesichert
Der Versicherer kann die Krankheitskosten-Vollversicherung nicht ordentlich kündigen (§ 206 Abs. 1 VVG), und der Gesetzgeber kann Ihren Tarif nicht per Gesetz kürzen. In der GKV steigen ab 01.01.2027 die Zuzahlungen um 50 %, der Festzuschuss für Zahnersatz sinkt für Bewilligungen ab 2027 von 60 auf 50 % (BGBl. 2026 I Nr. 228).
Schneller zum Facharzt
60 % der Privatversicherten bekamen einen Facharzttermin in weniger als vier Wochen, bei gesetzlich Versicherten 35 % (Versichertenbefragung der Patientenvertretung im G-BA, 2025, N = 3.970). Gesetzlich Versicherte warteten 2024 im Schnitt 42 Tage (BT-Drs. 21/3858).
Leistung nach Maß
Chefarzt, Ein- oder Zweibettzimmer, Heilpraktiker, Brille, hochwertiger Zahnersatz, Auslandsschutz – je nach Tarif. Keine Leistungszusage dieser Seite: maßgeblich sind die Tarifbedingungen.
Vorsorge fürs Alter eingebaut
Versicherer bilden Alterungsrückstellungen – Ende 2025 insgesamt 355,4 Mrd. € (PKV-Verband) –, und der gesetzliche 10-%-Zuschlag dämpft den Beitrag ab 65 (§§ 149, 150 VAG).
Krankentagegeld: der Baustein, den Selbstständige brauchen
Wer selbstständig ist, verdient nichts, wenn er krank ist. Die GKV zahlt Selbstständigen Krankengeld nur mit Wahlerklärung (14,6 % statt 14,0 %, drei Jahre Bindung) und erst ab der 7. Woche – 70 % der Bemessung, 2026 höchstens 135,63 € pro Tag (§§ 44, 46, 47 SGB V). In der PKV vereinbaren Sie ein Krankentagegeld als eigenen Baustein: Tagessatz bis zu Ihrem Nettoeinkommen, Beginn passend zu Ihrer Rücklage, etwa ab dem 15., 29. oder 43. Tag.
Stiftung Warentest ermittelte für Selbstständige (35 Jahre, 150 € pro Tag ab dem 29. Tag) 76 bis 150 € im Monat (Test vom 15.06.2026). Als Orientierung für 100 € Tagessatz ab dem 43. Tag rechnen wir mit rund 55 € (25 Jahre), 78 € (35 Jahre) und 111 € (45 Jahre) im Monat. Wichtig: Das Krankentagegeld setzt vollständige Arbeitsunfähigkeit voraus, endet mit einer Berufsunfähigkeit, und der Versicherer kann es in den ersten drei Jahren mit Frist kündigen (§ 206 Abs. 1 VVG). Passen Sie den Tagessatz an, wenn Ihr Einkommen steigt. Alle Details zu Karenzzeit und Höhe erklärt der Ratgeber Krankentagegeld für Selbstständige.
Familie: Kinder und Partner in der PKV
In der GKV sind Kinder und ein Ehepartner mit höchstens 565 € Einkommen im Monat (2026) meist beitragsfrei familienversichert (§ 10 SGB V). Ab 01.01.2028 kommt für familienversicherte Ehegatten ein Beitragszuschlag von 2,5 Prozentpunkten hinzu, mit Ausnahmen etwa bei Kindern unter zwölf Jahren (BGBl. 2026 I Nr. 228). In der PKV zahlt jede Person einen eigenen Beitrag. Das verschiebt die Rechnung deutlich: Für eine 35-jährige Selbstständige mit 5.000 € Gewinn, Partner ohne Einkommen und zwei Kindern kostet die PKV im Beispiel rund 1.700 € im Monat, die GKV 2027 rund 1.043 €.
- Kindernachversicherung: Neugeborene versichern Sie ohne Gesundheitsprüfung und Wartezeit, wenn Sie sie binnen zwei Monaten nach der Geburt anmelden (§ 198 VVG).
- Kinder des besserverdienenden Elternteils: Ist ein Elternteil privat versichert und verdient mehr als der andere, sind Kinder oft nicht familienversichert (§ 10 Abs. 3 SGB V) – das prüft der Experte im Einzelfall.
- Familie rechnen lassen: Der Gewinn-Check rechnet Kinder und Partner ehrlich mit ein.
Selbstbehalt, Beitragsrückerstattung und Steuer
Mit einem Selbstbehalt senken Sie den Monatsbeitrag. Ein Tarifbeispiel eines Versicherers für 35-Jährige: 766 € bei 600 € Selbstbehalt im Jahr, 636 € bei 1.200 € und 459 € bei 3.000 € (Versichererangaben, Stand 10.10.2026). Der Selbstbehalt wird nur fällig, wenn Sie Leistungen in Anspruch nehmen – planen Sie ihn als Rücklage ein. Viele Tarife zahlen außerdem Beiträge zurück, wenn Sie ein Jahr keine Rechnungen einreichen; einen festen Anspruch darauf gibt es nicht.
Steuerlich sind die Beiträge zur Basisabsicherung in GKV und PKV als Sonderausgaben absetzbar (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG). Bei der GKV mit Krankengeld werden 96 % angesetzt, bei der PKV der Basisanteil, den der Versicherer meldet; Mehrleistungen und Krankentagegeld zählen nicht dazu. Selbst getragene Kosten im Selbstbehalt sind keine Sonderausgaben. Weil der GKV-Beitrag fast vollständig absetzbar ist, fällt der Vorteil der PKV nach Steuern etwas kleiner aus als vor Steuern. Für Ihren Fall fragen Sie Ihren Steuerberater; die Wirkung auf Ihr Netto zeigt der Zielumsatz-Rechner.
PKV für Selbstständige im Alter: was Sie wissen sollten
Die häufigste Sorge lautet: Wird die private Krankenversicherung im Alter unbezahlbar? Fest steht: Auch PKV-Beiträge steigen, wenn Gesundheitskosten steigen – das gilt für die GKV ebenso. Über 20 Jahre (2006 bis 2026) stiegen die Beiträge je Versicherten laut einer Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der PKV im Schnitt um 3,4 % pro Jahr in der PKV und um 3,9 % in der GKV (Verbandsangabe; einzelne Tarife können deutlich abweichen). Drei Mechanismen dämpfen den Beitrag im Alter:
- Alterungsrückstellungen: Ein Teil Ihres Beitrags wird in jungen Jahren angespart und im Alter eingesetzt.
- Gesetzlicher 10-%-Zuschlag: Vom 22. bis zum 60. Lebensjahr zahlen Sie 10 % mehr; ab 65 wird das Guthaben zur Beitragssenkung verwendet (§ 149 VAG, § 150 VAG).
- Beitragsentlastungstarif: Viele Versicherer bieten einen Baustein, mit dem Sie heute zusätzlich ansparen und ab Rentenbeginn einen festen Betrag weniger zahlen.
Als letzte Sicherung gibt es den Standardtarif und den Basistarif mit gesetzlich begrenztem Beitrag (Basistarif 2026 höchstens 1.017,18 € im Monat). Planen Sie den Beitrag im Ruhestand trotzdem von Anfang an ein – etwa mit einer eigenen Rücklage. Einen Zuschuss der Rentenversicherung zur PKV gibt es nur, wenn Sie eine gesetzliche Rente beziehen.
PKV für Selbstständige nach Beruf und Lebenslage
Die Grundregeln gelten für alle Selbstständigen. Je nach Beruf verschieben sich aber die Schwerpunkte – ausführlich mit Rechenbeispielen auf der Seite Krankenversicherung für Selbstständige nach Beruf. Zwei Sonderfälle: Wer neu startet, sollte wissen, wie die Krankenkasse von der Selbstständigkeit erfährt, und in einem Verlustjahr hilft der Ratgeber selbstständig ohne Einkommen.
Berater, IT und Agenturen
Oft hohe Gewinne bei wenig Betriebskosten – die Gewinnschwelle wird früh überschritten. Wichtig: Krankentagegeld in passender Höhe, denn bei Krankheit fällt der Tagessatz sofort weg.
Handwerk und Gastronomie
Körperliche Arbeit macht das Krankentagegeld besonders wichtig. Gewinne schwanken stärker; eine Rücklage für zwei bis drei Monatsbeiträge schafft Ruhe.
Creator und Online-Händler
Junge Selbstständige mit stark steigendem Gewinn profitieren von einem frühen Eintrittsalter. Werbeeinnahmen und Sachleistungen zählen in der GKV als Einnahmen. Mehr dazu: Krankenversicherung für Influencer und Creator.
GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer
Mit Mehrheitsbeteiligung meist nicht beschäftigt und damit frei in der Wahl. In der GKV zählen Gehalt und Ausschüttungen zu den Einnahmen.
Fünf Irrtümer über die PKV für Selbstständige
| Irrtum | Fakt |
|---|---|
| „In die PKV kommt man erst ab einem hohen Einkommen.“ | Für Selbstständige gilt keine Einkommensgrenze. Ob sie sich rechnet, hängt vom Gewinn ab – die Tür ist aber offen. |
| „Die PKV ist für Selbstständige immer billiger.“ | Nein. Unter der Gewinnschwelle und mit mehreren mitversicherten Angehörigen ist die GKV oft günstiger. |
| „In der GKV zahle ich nur auf meinen Gewinn.“ | Freiwillig Versicherte zahlen auf alle Einnahmen zum Lebensunterhalt, auch Miete und Kapitalerträge (§ 240 SGB V). |
| „Krankengeld habe ich in der GKV automatisch.“ | Selbstständige nur mit Wahlerklärung und erst ab der 7. Woche (§ 44 Abs. 2, § 46 SGB V). |
| „Die Gesundheitsfragen beantworte ich einfach im Antrag.“ | Besser vorher anonym klären lassen: Eine Ablehnung wird in späteren Anträgen häufig abgefragt. |
Prüfpunkte vor dem Wechsel – und wie Sie sie lösen
Was Sie klären
- Gesundheitsprüfung: Der Versicherer fragt nach Vorerkrankungen und kann annehmen, einen Zuschlag verlangen oder ablehnen.
- Beitrag im Alter: PKV-Beiträge werden angepasst – zum 01.01.2027 laut PKV-Verband für rund 53 % der Privatversicherten, im Schnitt um 13,4 % bei den Betroffenen.
- Rückweg in die GKV: eingeschränkt, ab 55 meist ausgeschlossen (§ 6 Abs. 3a SGB V).
- Schwankender Gewinn: Der PKV-Beitrag sinkt in schwachen Jahren nicht mit.
So löst der Partner-Experte das
- Anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Versicherern – ohne Eintrag, bevor Sie einen Antrag stellen.
- Tarif auf Dauer wählen: Alterungsrückstellungen, 10-%-Zuschlag, Beitragsentlastungstarif und Tarifwechselrecht (§ 204 VVG) nutzen.
- Langfristig planen: Entscheidung mit Blick auf Familie, Einkommen und Ruhestand treffen.
- Liquidität sichern: passender Selbstbehalt, Rücklage für zwei bis drei Monatsbeiträge.
So läuft der Wechsel in die private Krankenversicherung ab
1. Gewinnschwelle prüfen
Rechnen Sie mit dem Gewinn-Check, ob und ab welchem Gewinn die PKV für Sie günstiger ist.
2. Risikovoranfrage und Angebote
Ein spezialisierter Experte aus unserem Partnernetzwerk fragt anonym bei mehreren Versicherern an und vergleicht Tarife mit Krankentagegeld.
3. Antrag und Zusage
Sie stellen den Antrag beim gewählten Versicherer und erhalten den Versicherungsschein. Ein Widerruf ist binnen 14 Tagen möglich (§ 8 VVG).
4. GKV kündigen
Als freiwilliges Mitglied kündigen Sie zum Ende des übernächsten Kalendermonats; die Kündigung wird mit dem PKV-Nachweis wirksam (§ 175 Abs. 4 SGB V). Stellen Sie den PKV-Antrag binnen zwei Monaten nach dem Ende der GKV, wird die Vorversicherungszeit auf Wartezeiten angerechnet (§ 197 Abs. 2 VVG).
Die Entscheidung für die PKV ist eine auf lange Sicht. Mit den richtigen Zahlen und einem Tarif, der zu Ihrem Business passt, bietet sie Selbstständigen planbare Beiträge, vertraglich zugesicherte Leistungen und Einkommensschutz nach Maß. Starten Sie mit dem kostenlosen Gewinn-Check – Ergebnis sofort, ohne Gesundheitsfragen. Fachbegriffe wie Mindestbemessung, Wahlerklärung oder Beitragsentlastungstarif erklärt das Lexikon zum Krankenkassenbeitrag für Selbstständige.
Häufige Fragen
Lohnt sich die private Krankenversicherung für Selbstständige?
Für viele gut verdienende Selbstständige ja. Die Kasse verlangt rund 22 % des Gewinns (2027 im Szenario, kinderlos, mit Krankengeld), die PKV einen Beitrag nach Alter und Tarif. Für 35-Jährige ist ein Komfort-Tarif mit gleichwertigem Krankentagegeld im Beispiel ab rund 2.900 € Monatsgewinn günstiger. Bei niedrigem Gewinn, mehreren Kindern oder spätem Wechsel bleibt die GKV oft günstiger.
Was kostet eine private Krankenversicherung für Selbstständige im Monat?
Das hängt vom Eintrittsalter, vom Leistungsumfang und vom Selbstbehalt ab. Orientierungswerte aus veröffentlichten Musterbeiträgen inklusive Pflegepflicht: mit 25 Jahren rund 331 bis 624 €, mit 35 rund 407 bis 764 €, mit 45 rund 510 bis 950 € (Einstieg bis Premium, Stand 18.10.2026). Krankentagegeld und Kinder kommen dazu.
Kann jeder Selbstständige in die PKV?
Rechtlich ja, wenn er hauptberuflich selbstständig ist – unabhängig vom Einkommen. Ausnahmen gelten etwa für Künstler und Publizisten in der Künstlersozialkasse. Praktisch entscheidet die Gesundheitsprüfung: Der Versicherer kann annehmen, einen Zuschlag verlangen oder ablehnen. Eine anonyme Risikovoranfrage zeigt das vorab.
Was passiert in der PKV, wenn mein Gewinn einbricht?
Der Beitrag bleibt gleich, weil er nicht vom Einkommen abhängt. Hilfreich sind eine Rücklage, ein Tarifwechsel innerhalb des Versicherers (§ 204 VVG) oder ein höherer Selbstbehalt. In echten Notlagen schützt der Notlagentarif vor dem Verlust des Versicherungsschutzes. In der GKV würde der Beitrag dagegen bis zum Mindestbeitrag sinken.
Kann ich als Selbstständiger zurück in die gesetzliche Krankenversicherung?
Nur eingeschränkt, meist über eine neue Versicherungspflicht – etwa eine Anstellung unter der Versicherungspflichtgrenze oder den Bezug von Arbeitslosengeld. Ab 55 ist die Rückkehr in der Regel ausgeschlossen (§ 6 Abs. 3a SGB V). Wählen Sie den PKV-Tarif deshalb auf Dauer.
Wie schnell kann ich als Selbstständiger in die PKV wechseln?
Als freiwilliges GKV-Mitglied kündigen Sie zum Ende des übernächsten Kalendermonats; wirksam wird die Kündigung mit dem Nachweis der neuen Absicherung (§ 175 Abs. 4 SGB V). Wer gerade gründet und aus der Pflichtversicherung kommt, kann binnen zwei Wochen nach dem Hinweis der Kasse austreten (§ 188 Abs. 4 SGB V).
Quellen
- § 240 SGB V – Beitragspflichtige Einnahmen freiwilliger Mitglieder – abgerufen 21.10.2026
- § 6 SGB V – Versicherungsfreiheit (Abs. 3a)
- § 175 SGB V – Ausübung des Wahlrechts, Kündigung
- § 206 VVG – Kündigung des Versicherers
- § 198 VVG – Kindernachversicherung
- Stiftung Warentest: Private Krankenversicherung im Vergleich (Finanztest 3/2025) – Test vom 19.02.2025
- Patientenvertretung im G-BA: Versichertenbefragung 2025 – Erhebung 11.11.–11.12.2025, N = 3.970
- GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, BGBl. 2026 I Nr. 228
- Bundesrat: Drucksache 576/26 – Rechengrößen 2027
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu der Kranken- und Pflegeversicherung von Selbstständigen, Freiberuflern und Unternehmern (Stand: 21. Oktober 2026). Er ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Lösung zu Ihnen passt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab, z. B. Alter, Gesundheit, Einkommen und Familie. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität; Gesetze und Tarife ändern sich. Ein kostenloses Informations- und Rechnerportal – kein Versicherungsmakler und keine Krankenkasse. Bescheide und Widersprüche behandeln wir nur allgemein; im Einzelfall entscheiden Krankenkasse und Gerichte. Herausgeber: Selbstständigen-Check.de. Selbstständigen-Check.de ist kein Versicherungsmakler und bietet keine Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung an; eine individuelle Beratung erfolgt ausschließlich durch spezialisierte Kooperationspartner mit Erlaubnis nach § 34d GewO.